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Kann Musik, die teilweise 1200 Jahre alt ist, Menschen heute noch ansprechen? Wenn man die Charts der letzten Jahre betrachtet: Sie kann es ganz eindeutig, Gregorianik erlebt geradezu einen Boom. Aber hat diese Musik, von der immer wieder gesagt wird, sie sei der Gesang der römisch-katholischen Kirche, auch heute noch in unseren Gottesdiensten Heimat?

In unserer Gemeinde Heilige Familie ganz sicher. Denn immer wieder erklingen diese alten Melodien in unseren Gottesdiensten, vorgetragen durch unsere Choralschola: Einerseits soll das Musik zum Zuhören sein, zum Zur-Ruhe-Kommen oder Sich-Bewegen-Lassen, andererseits Musik zum Mitsingen für die ganze Gemeinde. Dabei ist die lateinische Sprache sicher keine dauerhafte Hemmschwelle: von Kyrie, Sanctus, Agnus, Pater noster, aber auch Gloria und Credo kennt man ja meist die deutschen Texte.

Das Repertoire der Choralschola, in der zur Zeit vier Frauen und vier Männer aus unserer Gemeinde unter der Leitung von Stefan Lipka singen, umfasst ein breites Spektrum mittelalterlicher Musik: einstimmiger Choral aus der Früh- und Blütezeit sowie mehrstimmige Kompositionen aus der Spätzeit, also Musik vom 7. bis zum 14. Jahrhundert in Latein und Mittelhochdeutsch; dazu deutscher Liturgiegesang und auch Neue Geistliche Musik. Es ist spannend, dem Zusammenklang von Text und Vertonung durch die Jahrhunderte nachzuspüren - beginnend bei der Vortragskunst römischer Redner, wie sie in den frühen Stücken zum Ausdruck kommt, bis ins 21. Jahrhundert.

In unseren wöchentlichen Proben erarbeiten wir die Stücke auch unter Zuhilfenahme der alten Notenzeichen, die uns Hinweise auf den Vortrag im Mittelalter geben. Wir singen auch gerne Musik, die vermutlich in Stuttgart sonst kaum jemand im Repertoire hat. Aber am wichtigsten ist es uns, dass diese Musik zu „unserer“ Musik wird, für Singende und Zuhörende: dass Texte und Melodien aus alter Zeit uns Freude machen und uns bewegen können; dass sie für uns heute Gebet sein können, im Gottesdienst und auch darüber hinaus.

Kirchenchor – Kantorei Heilige Familie 1959-2011

50 Jahre Kirchenmusik in einer  Gemeinde setzt Weitblick und  großes  Engagement voraus.  So begann im November 1959 unter der Leitung von  Stefan Kohri mit ca. 20 Sängerinnen und Sängern (die sich schon vor Einweihung der Kirche gemeldet hatten) der Kirchenchor zu proben. An Weihnachten fand bereits die erste Aufführung statt.

Dann sollte der Chor in den folgenden Jahrzehnten unter der Leitung von Hildegard Bläsi zu einer festen Größe im Gemeindeleben werden mit vielen Glanzlichtern wie großen Messen, einer Schallplattenaufnahme und auch weltlichen Gesängen.1998, mit dem Ausscheiden von Frau Bläsi, begann ein Umbruch. Chorgesang war nicht mehr „in“, was nicht nur wir hier zu spüren bekamen.

Nach einer Zeit der Neufindung mit Chorleitern wie Rudolf Keinert und Elisabeth Bresch übernahm im Jahr 2005 Jennifer Permenter den inzwischen in „Kantorei“ umbenannten Chor und man kann sagen, dass sich unter ihr wieder ein zuverlässiges Chorleben mit Begeisterung und „Zuwächsen“ entwickelt hat. Nach ihrem Weggehen freuen wir uns auf ein langes Weitersingen unter der Leitung von Stefan Lipka.
 

„Alle Kinder singen dir gern,
singen Hosanna dem höchsten Herrn!"
Für Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren ist der Kinderchor seit über 30 Jahren fester Bestandteil
im Gemeindeleben.
Einmal pro Woche kommen die Kinder zur einstündigen Probe ins Gemeindehaus.
Das Ziel ist, Freude am Singen zu wecken, dadurch eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung anzubieten
und Gemeinschaft aufzubauen. Geübt werden einstimmige Lieder für die Auftritte bei
Familiengottesdiensten und bei Gemeindefesten.

Der Kinderchor Heilige Familie probt jeden Freitag außer in den Ferien
im Gemeindezentrum von 15.00 Uhr bis 16.00 Uhr
für seine Auftritte bei Festen, Veranstaltungen
und im Familiengottesdienst in unserer Kirche.

Kinder, die neu dazukommen wollen,
sind immer herzlich willkommen!

(Es empfiehlt sich, vor einem ersten Probenbesuch vorher eine kurze  Mail zu schicken, weil es immer mal spontan Änderungen geben könnte.)

Stefan Lipka
studierte in Salzburg kath. Theologie, Musikwissenschaft, Philosophie und am dortigen Mozarteum Kirchenmusik. Er ist Kirchenmusiker an der ev. Laurentiuskirche in Rohr (Kirchenchor, Posaunenchor, Organist).
In der "Heilige Familie" spielt er regelmäßig bei den Gottesdiensten am Samstagabend. 2003 entstand die Choralschola unter seiner Leitung. Seit 2008 leitet er auch die Kantorei.
Die gute Zusammenarbeit mit Winfrid Ziemlich bei Gottesdiensten und kirchenmusikalischen Andachten mit Schola und Kantorei führte seit 2009 zu gemeinsamen Aktionen mit Orgelmusik zu 3-4 Händen und mehreren Füßen sowie Musik an zwei Orgeln in Gottesdienst und Konzert.
Bereits früh entwickelte Stefan Lipka ein Faible für Gregorianik und mittelalterliche Musik. Neben der Ausbildung am Mozarteum lernte er durch sein Engagement bei der Salzburger Virgilschola unter der Leitung von Stefan Engels die Welt der sakralen Mittelalterlichen Musik abseits der herkömmlichen Notenausgaben kennen: die Virgilschola gestaltet ihre Konzerte mit mittelalterlicher Musik aus Salzburg und den umliegenden Klöstern und stellt sie bei der Aufführung in den damaligen, teils volkskirchlichen, liturgischen Kontext - inszeniert sie also.
Stefan Lipka lebt in Schopfloch auf der Alb, leitet dort das Akkordeonorchester im Liederkranz Schopfloch und musiziert gemeinsam mit seiner Schwester Doris Lipka-Krischke im Ensemble lindensanc der Mittelaltergruppe her unde massenîe geistliche und weltliche Musik des Mittelalters.

Winfrid Ziemlich
erhielt seine Organistenausbildung von 1972 bis 1980 bei Kirchenmusikdirektor Dr. Walter Gleißner an der Stiftskirche zu Aschaffenburg und von 1985 bis 1986 bei Hermann Seidl in Würzburg. Im Jahr 1978 legte Winfrid Ziemlich die D-Prüfung für Organisten in der Diözese Würzburg ab. Weitere Unterrichtskurse in Liturgik, Gregorianik, Kirchenmusikgeschichte, liturgischem Orgelspiel, Dirigieren und Stimmbildung in Würzburg rundeten seine kirchenmusikalische Ausbildung ab.
Neben seiner nebenamtlichen Organistentätigkeit in den Dekanaten Obernburg, Miltenberg und Aschaffenburg von 1974 bis 1988 war Winfrid Ziemlich auch Mitglied der Aschaffenburger Stiftschorknaben.
Von 1992 bis 1994 war Winfrid Ziemlich im Organistenteam der Gesamtkirchengemeinde Böblingen tätig.
Seit 1999 ist Winfrid Ziemlich einer der Organisten in "Christus König", Stuttgart-Vaihingen und seit 2002 auch im Team der Organisten der "Heiligen Familie", Stuttgart-Rohr/Dürrlewang.
Von 1994 bis 2001 war Winfrid Ziemlich Mitglied des Domchores an der Konkathedrale "St. Eberhard", Stuttgart, bei dem er auch heute noch projektweise mitwirkt.
Winfrid Ziemlich ist im Hauptberuf als Physiker tätig.

Hauptorgel

Die Hauptorgel auf der Empore der Kirche zur „Heiligen Familie“ wurde von der Orgelbaufirma Stehle aus Haigerloch-Bittelbronn im Jahr 1977 erbaut.

Die Orgel mit ihrer mechanischen Traktur hat insgesamt 19 Register, verteilt auf zwei Manuale und das Pedal. Zusätzlich verfügt die Orgel über ein Koppelmanual als drittes Manual. Neben dem Haupt- und Pedalwerk ist die Orgel mit eine Rückpositivwerk ausgestattet, das mit einem Jalousie-Schweller versehen ist. Als Spielhilfen stehen dem Organist zusätzlich zwei freie Registerkombinationen und eine Pedal-Kombination zur Verfügung.

Disposition

Hauptwerk

Quintade           16’             Sesquialter       2 2/3’ + 1 3/5’

Principal            8’               Sifflöte               2’

Rohrgedeckt     8’               Mixtur                 4 fach – 1 1/3’

Octave              4’               Trompete           8’

Harfpfeife          4’

                                           Tremulant

Rückpositivwerk (schwellbar)

Gedeckt             8’                Quintlein            1 1/3’

Rohrflöte           4’                Scharff               3-4 fach – 2/3’

Super Octave    2’                Rohrschalmei     8’

                                            Tremulant

Pedalwerk

Subbass                    16’              Piffaro                4’ + 2’

Gemshorn                  8’                Fagott                16’

                                                    Pedalkoppeln:  II / P

                                                                             I / P

Der Spieltisch der Hauptorgel
    
   


Truhenorgel

Die Truhenorgel im Chorraum wurde von Josef Maier aus Hergensweiler 1995 erbaut.

Disposition

Gedeckt   8’                Octave      2’

Rohrflöte  4’                Mixtur       1’

Der gemischte Chor wurde 1985 von Achim Jäckel gegründet, der damit neue Töne in die Gottesdienste brachte. Ihm folgte 1990 Udo Königs (bis 1993) und bis 1995 gab der Kirchenmusiker Stefan Poloczek den Takt an. Von jedem Chorleiter erfuhr das RLE eine eigene Prägung und erweiterte sein Repertoire. Inzwischen gehören Stücke aus allen Stilrichtungen zum Programm des Rohrer-Lied-Ensembles. Die Sängerinnen und Sänger verbindet die Freude am Ausprobieren neuer Musikrichtungen und schon immer wurde nach Möglichkeit in der Originalsprache gesungen.

Nach drei männlichen Dirigenten ging dann im Juni 1995 die Leitung in weibliche Hände über. Bis Dezember 2008 erfuhr der Chor unter Jennifer Permenter eine fruchtbare, intensive und sehr kreative Zeit. Sie vermittelte dem Chor auch ein neues Verständnis und Gefühl für Spirituals und Gospels, mit denen sie in ihrer Heimat Louisiana aufgewachsen war und erweiterte das musikalische Spektrum durch unbekannte Rhythmen.

Im Januar 2009 hat Natalie Iqbal die musikalische Leitung des Rohrer-Lied-Ensembles übernommen und überzeugte sofort sowohl durch ihre Musikalität und ihr Können wie auch als Person, weshalb sich der Wechsel sehr harmonisch gestaltete. Verschiedene Gottesdienste wurden schon unter Natalie Iqbal mitgestaltet. Ein erstes Highlight waren die „Summernight Melodies“ beim Jubiläumsball der Gemeinde im Juli 2009, weitere Höhepunkte seither waren die traditionellen Konzerte am vierten Advent und das Konzert zu Hildegard von Bingen im Juni 2011.

Der Anspruch der Vielseitigkeit beschränkt sich nicht nur auf das Repertoire, sondern beinhaltet auch das gemeinsame Musizieren mit Musikern verschiedener Stilrichtungen. Dieser Austausch, diese gemeinsamen Konzerte waren und sind immer wieder eine musikalische und menschliche Bereicherung. Das gemeinsame Miteinander hat einen hohen Stellenwert und beschränkt sich nicht nur auf die wöchentliche Probenarbeit oder die Chorwochenenden vor einem Konzert. Die Konzertreisen nach Louisiana, Paris oder ins Kleine Walsertal  bleiben unvergesslich.

 Homepage Rohrer Lied Ensemble