Zum Inhalt springen

Vakanz

bedeutet in manchen Landstrichen des deutschen Sprachraums Ferien oder Urlaub. „Wir sind in der Sommervakanz“ sagt man, wenn die Kinder Ferien haben und die Familien im Urlaub sind. Das Wort bedeutet, der Kalender ist leer von Terminen und das Leben frei von Verpflichtungen. Vakanz nennt man auch die Zeit, in der eine Stelle nicht besetzt ist. Wenn es keinen Papst gibt, spricht man von der Sedisvakanz, wörtlich: Der Stuhl ist frei. So ist die Stelle des leitenden Pfarrers in der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Vaihingen frei, sein Platz ist derzeit nicht besetzt. Freie Stelle des Pfarrers bedeutet aber nicht leere Gemeinde, leere Gottesdienste, leerer Glaube. Christus ist mit seiner lebendigen Fülle in der Gemeinde, auch wenn die Pfarrersstelle frei ist. Er ist in jedem Zusammensein präsent, das in seinem Namen stattfindet, ob es sich um einen Gottesdienst handelt oder um sonst einen notwendigen Gemeindetermin. Vielleicht trauert die Gemeinde ihrem Pfarrer nach.

Zugelassene Trauer ist lösend! Vielleicht vermisst die Gemeinde manches von dem, was immer selbstverständlich war, das darf sein! Aber wenn die Gemeinde ihr Dasein, ihre Berufung, ihren Glauben lebt, dann ist das Wesentliche da: Christus selbst, der sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen (Mt 18,20).

In der Zeit, in der die Pfarrerstelle nicht besetzt ist, bin ich der Administrator, der rechtlich zuständig ist, aber faktisch keine Zeit hat. Ich bin Pfarrer von St. Konrad und Pfarrvikar in der Gesamtkirchengemeinde S-Mitte. Ich bin schon zu hundert Prozent und mehr beansprucht und kann daher ganz wenig für die Gemeinden in Stuttgart-Vaihingen tun. Das ist selbstverständlich ein Mangel, aber keine Katastrophe. In meinen bisherigen Kontakten zu den pastoralen Kolleginnen und Kollegen – Pfarrer Klinkosz, Gemeindereferentin Di Miero, Pastoralreferentin Dörrer-Bernhardt, Pastoralassistent Ruiner – zur Verwaltungsbeauftragten Frau Egger und zur Zweiten Vorsitzenden des Gesamtkirchengemeinderates, Frau Schick-Ebert, habe ich großes Vertrauen gewonnen, dass die Gemeinden die Zeit der Vakanz nicht nur überstehen, sondern sie auch zu gestalten wissen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pfarrbüros und in allen Gremien und Gruppen tragen ihr Eigenes dazu bei. Leer-Stellen muss man aushalten können. Es muss nicht alles so weiter gehen, wie bisher. Wer jetzt verantwortlich ist, muss und kann nicht den fehlenden Pfarrer ersetzen. Die Leer-Stelle soll frei bleiben, bis der neue Pfarrer sie einnimmt. Ich selbst sehe meine Aufgabe vor allem darin, die pastoralen Akteure, seien sie haupt-, neben- oder ehrenamtlich, zu stärken, vielleicht auch zu inspirieren, die formalen Dinge zu regeln, Konflikte zu schlichten und – so gut ich es vermag – einzuspringen, wo es unabdingbar notwendig ist.

Bitte sehen Sie die Zeit der Vakanz nicht nur als Pfarrer-lose Zeit an, sondern vor allem als Gemeinde-intensive Zeit. Ich wünsche Ihnen allen einen guten Abschluss der österliche Bußzeit, in der nichts anderes unser Auftrag ist, als leer zu werden für die österliche Fülle Gottes. Und an Ostern sollen alle erfahren, Christus ist auferstanden, er lebt hier am Ort mitten unter uns!

Pfarrer Anton Seeberger, Adm.