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Liebe Gemeinde

wir sehnen uns nach Normalität. Nach dem sechswöchigen „Shut Down“ im März und April beginnt zaghaft wieder das öffentliche Leben.

Seit Anfang Mai erleben wir eine „Wiedergeburt“ von öffentlichen Gottesdiensten, wenn auch mit strengen Auflagen. Alles war und ist immer noch ungewohnt und weit entfernt von einer Normalität.

So war es auch damals bei den Jüngerinnen und Jüngern Jesu. Seit dem Letzten Abendmahl befanden sie sich in einem permanenten Ausnahmezustand.

Erst das Leiden und der Tod ihres geliebten „Rabbuni“, dann das unglaubliche Wunder der Auferstehung, schließlich die Erscheinungen des auferstandenen Christus über 40 Tage hindurch. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Freundinnen und Freunde Jesu in dieser Zeit innerlich gar nicht zur Ruhe kamen. Dann seine Himmelfahrt verbunden mit dem Auftrag, geht und schaut, dass ihr das Erlebte in euren Alltag integriert.

Zehn Tage später an Pfingsten erfüllte er sein Versprechen, dass er sie nicht alleine lässt, sondern einen Beistand senden wird, den Heiligen Geist. Man sagt, es entstand etwas Neues: Pfingsten, die Geburtsstunde der Kirche. Alle, die an Pfingsten zusammen waren, waren plötzlich Feuer und Flamme, verstanden einander trotz unterschiedlicher Sprachen. Es herrschte Einigkeit in der Unterschiedlichkeit, das sogenannte Pfingstwunder.

Wenn ich mir unsere heutige Situation anschaue, dann wünschte ich mir auch eine Art Pfingstwunder, denn wir sind immer noch weit entfernt von der Normalität, dieser Gemeindebrief spiegelt das wider. Und auch die Verantwortlichen sind sich noch uneins, wie, was, wann, wo und wie schnell gelockert werden sollte. Ich persönlich wünsche mir oft auch den göttlichen Beistand, den Heiligen Geist, um ein wenig für unser Gemeindeleben nach vorne planen zu können. Aus diesem Grund haben wir uns auch entschieden, nur für einen Monat Informationen weiterzugeben, denn es kann sich wöchentlich alles ändern.

Rückblickend wage ich zu sagen, eigentlich hatten wir unser Pfingsten schon vor ein paar Wochen, beginnend mit dem Shut Down. Da entstand für unsere Gemeinden etwas Neues. Es herrschte Einigkeit, denn nur gemeinsam - als Gesamt-Kirchengemeinde - konnten wir gut in dieser Zeit bestehen. Trotz Abstand sind wir uns dabei auch näher gekommen.

Gemeinsam wurden neue Wege gesucht, Gemeindeleben zu organisieren und Gottesdienst zu feiern. Viele hielten Kontakt untereinander mit unterschiedlichsten Mitteln. Viele nutzen die Angebote im Internet und andere Aktionen während der Osterzeit, wie die Osteraktion der Minis oder die Ostersträuße, um nur zwei zu nennen. Viele waren Feuer und Flamme, diese neuen und ungewohnten Wege mitzugehen und zu unterstützen auf vielfältige Weise: musikalisch, textlich oder künstlerisch. Allen, besonders aber unserem Filmteam, ein herzliches Dankeschön!

Dank aber auch allen Frauen und Männern, die jetzt in der Phase 2 der Corona-Krise als Lektor, Kantor, Organist und Ordner mitwirken und Gottesdienste möglich machen.

Ich persönlich habe in den vergangenen Wochen des Verzichts vieles wieder neu schätzen gelernt und hoffe, dass ich manches aus der „Unnormalität“ hinüber rette, wenn der Alltag wieder kommt.

Wann das allerdings sein wird, das weiß im wahrsten Sinne des Wortes der liebe Gott allein – und ebenso, wie es jetzt weitergeht. Aber mit seinem Beistand werden wir auch das gut meistern.

In diesem Sinne ein happy Birthday!

Ihr Pfarrer Andreas Marquardt