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Montag der 2. Osterwoche, 20.04.2020
L Apg 4,23–31 Ev Joh 3,1–8

Das Sakrament der Taufe wird im Neuen Testament mit verschiedenen Bildern gezeichnet:
Vom Mit-Begraben-werden und Mit-Auferstehen spricht Paulus im Römerbrief, im Epheserbrief ist von der Reinigung die Rede – und im heutigen Johannesevangelium, benutzt Jesus das Bild der Wiedergeburt.
Zu Nikodemus sagt er:“
Wenn jemand nicht aus dem Wasser und dem Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“
 „Streck deine Hand aus, damit Heilungen und Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus.“ So hören wir die Apostel heute beten. Kurz danach werden sie alle vom Heiligen Geist erfüllt. (Apg 4,30 f). Das Ausstrecken der Hände ist bis heute in der Liturgie ein Zeichen für das Wirken des Heiligen Geistes.
Wann immer Heilvolles in unserer Welt geschieht, geschieht es in der Kraft des Heiligen Geistes

Die Coronakrise hat uns ganz schön herausgefordert. Innerhalb weniger Tage mussten wir weite Bereiche unseres Alltagsverhaltens umstellen.
Die Regierungen haben uns diese bittere Medizin gleichsam "löffelweise" eingeflößt. Sonst hätten wir vermutlich dagegen aufbegehrt und sie nicht geschluckt.
Ein Gutteil der Maßnahmen waren für uns nicht leicht anzunehmen und haben massive Einschnitte in unser Leben gebracht.
Unerwartet hat sich aber auch das eine oder andere Positive entwickelt:
Viele Leute sind freundlicher geworden, nehmen Anteil und fragen: Wie geht es Euch? Sind alle gesund? Manche fragen sogar, kann ich Euch irgendwie behilflich sein?
In vielen Gemeinden entstanden neue Formate mit der Krise und dem Gottesdienst- und Versammlungsverbot umzugehen: Kontakthalten zu älteren Menschen in der Gemeinde, neue Formen miteinander zu beten, Hausgottesdienste, Aktionen für Kinder-und Jugendliche per Whatsapp und Instagram, Sonntagsgesicht und vieles mehr.
Der Geist weht auch an Orten, an denen man ihn nicht erwartet hätte.
Kirchengeschichtlich betrachtet ist der Heilige Geist ein "Krisenphänomen". Er trat vor allem in Krisenzeiten in Erscheinung. Auch wenn er immer gegenwärtig war, in den vielen Krisen im Laufe der Jahrhunderte spürte man besonders sein Wehen. Immer wieder ist Neues aufgebrochen und die Sache Jesu ging weiter.
Wir dürfen uns jedoch nicht täuschen: Auch zu "normalen Zeiten" ist er da, brauchen wir ihn. "In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir" (Apostelgeschichte 17,38). Es kommt darauf an, dass wir den Geist Jesu tagtäglich einatmen, uns von seiner Kraft erfüllen lassen. Dann entfaltet sich das neue Leben in uns und wir werden neu geboren, ohne dass uns dies auf Schritt und Tritt bewusst wird.

Fürbitten:       
 „Streck deine Hand aus, damit Heilungen und Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus.“ So beteten die Jünger damals. Beten auch wir um die Kraft von oben, den Heiligen Geist, wir brauchen die Zeichen und Wunder Gottes nicht weniger.

Für alle, die sich in dieser Krise als Helfer engagieren.
Für alle Verantwortungsträger, die notwendige Maßnahmen ergreifen und anordnen müssen.
Für alle, die dafür sorgen, dass wir mit Augenmaß eine neue Normalität finden.
Für alle, die unter den notwendigen Maßnahmen leiden.
Für die Kirche im Großen wie im Kleinen, dass sie die Kraft des Geistes Jesu neu erkennt und das Wirken des Heiligen Geistes auch annimmt.
Für alle am Virus Erkrankten und alle anderen Kranken, deren Not und Leiden in dieser Zeit aus dem Blick geraten sind.
Für alle unsere Verstorbenen, dass sie das Wehen des Leben erweckenden Heiligen Geistes erfahren.
Dir, Gott danken wir für das Wirken deines Geistes in der Welt.
Dich preisen wir jetzt und allezeit. Amen.

Ein schöner Text von Hermann Hesse

Immer wieder wird er Mensch geboren,
Spricht zu frommen, spricht zu tauben Ohren,
Kommt uns nah und geht uns neu verloren.

Immer wieder muß er einsam ragen,
Aller Brüder Not und Sehnsucht tragen,
Immer wird er neu ans Kreuz geschlagen.

Immer wieder will sich Gott verkünden,
Will das Himmlische ins Tal der Sünden,
Will ins Fleisch der Geist, der ewige, münden.

Immer wieder, auch in diesen Tagen,
Ist der Heiland unterwegs, zu segnen,
Unsern Ängsten, Tränen, Fragen, Klagen
Mit dem stillen Blicke zu begegnen,
Den wir doch nicht zu erwidern wagen,
Weil nur Kinderaugen ihn ertragen.

Hermann Hesse in: Hans-Rüdiger Schwab (Hg.), Gott im Gedicht. Ein Streifzug durch die deutschsprachige Lyrik. Topos plus Taschenbuch

Segensbitte:
Es komme über uns
der Geist Gottes, - Raum, wo alle außer sich sind,
der Geist der Liebe, - Raum, wo alle Gemeinschaft sind,
der Geist des Verstehens, - Raum, wo alle eines Sinnes sind,
der Geist des Lebens,  -Raum, wo alle in Frieden leben können,
der Geist Jesu, der Geist Gottes.
Gott gebe euch ein Herz, das euch fähig macht, ihn zu ehren
und ihm mutig und bereitwillig zu folgen.
Er öffne euer Herz für sein Gesetz und seine Gebote
und schenke euch Frieden.
Er erhöre eure Gebete, schenke euch Versöhnung
und verlasse euch nicht in Zeiten der Not.
Das gewähre euch der dreieinige Gott:
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. – Amen.

Musik und Komposition Julius von Lorenz, ein 16 jähriger Schüler, der die Coronazeit musikalisch verarbeitet